Eurokrise Sechs L?nder, sechs Probleme, sechs Strategien

EurokriseSechs L?nder, sechs Probleme, sechs Strategien

Kehrt die Eurokrise zurück? Manchen Staaten geht es heute besser, in anderen ist die Lage so lala. Das gr??te Sorgenkind ist nicht mehr Griechenland.

Auch das noch! Neben der t?glichen Dosis Trump-Verunsicherung sind zuletzt wieder solche Schlagzeilen zu lesen: "Furcht vor einer neuen Eurokrise" ("Handelsblatt") oder "Anleger fürchten sich vor einer neuen Eurokrise" ("FAZ").

?Neben der t?glichen Dosis Trump-Verunsicherung sind zuletzt wieder solche Schlagzeilen zu lesen.

die t?gliche Dosis :dose

die Schlagzeile :headline

Anleger :investor

Dabei schien sich Europas Lage weitgehend beruhigt zu haben. Wie wahrscheinlich also ist es, dass die Eurokrise tats?chlich wieder aufflammt?

Ein Blick in die überwiegend südeurop?ischen Krisenl?nder zeigt, dass sich vieles zum Guten gewendet hat. Doch nicht alle Probleme von L?ndern wiePortugaloderZypernwurden beseitigt. Zugleich droht mitItalienein neues Land zu kippen, dessen Rettung die Europartner überfordern k?nnte.

überwiegend: overwhelming

beseitigen :get rid of /eliminate

Lesen Sie im Folgenden, wie die Lage in einzelnen Eurol?ndern ist. In den Grafiken k?nnen Sie über Schaltfl?chen am oberen Rand verschiedene Wirtschaftsindikatoren aufrufen:

Griechenland: Sieben Jahre Elend

das Elend :misery

REUTERS

Parlamentsgeb?ude in Athen im Februar 2017

Langsam wird es schwer, sich noch an ein Griechenland ohne Krise zu erinnern. Fast sieben Jahre sind vergangen, seit das Land erstmals Finanzhilfen seiner Euro-Partner beantragen musste. Mittlerweile l?uft das dritte Hilfsprogramm.

beantragen : apply for

Griechenland

StaatsverschuldungArbeitslosenquoteWirtschaftswachstumRisikoaufschlag

in Prozent des Bruttoinlandsprodukts

Prozent2018*2017*2016*20152014201320122011201020092008200720062005050100150

Quelle: EU-Kommission

*Ab 2016 Prognosen

Wie wenig sich in all der Zeit am Grundproblem ge?ndert hat, zeigt der Blick auf die griechische Staatsverschuldung. Mit gut 170 Prozent der Wirtschaftsleistung liegt sie immer noch weit jenseits aller tragbaren Werte. Einen spürbaren Rückgang gab es zuletzt 2012, als private Gl?ubiger des Landes an einem Schuldenschnitt beteiligt wurden.


Einen spürbaren Rückgang gab es zuletzt 2012, als private Gl?ubiger des Landes an einem Schuldenschnitt beteiligt wurden.

spürbaren Rückgang:distinctive decline

Gl?ubiger :creditor

beteiligt: involved/

Der Internationale W?hrungsfonds (IWF) h?lt das für unrealistisch und will sich ohne weitere Erleichterungen nicht finanziell am laufenden Programm beteiligen.


Doch was tun? über diese Frage haben sich mittlerweile auch die Geldgeber des Landes zerstritten. Die Europ?er und insbesondere Deutschland pochen weiter darauf, durch einen strikten Sparkurs hohe überschüsse zu erwirtschaften. Der Internationale W?hrungsfonds (IWF) h?lt das für unrealistisch und will sich ohne weitere Erleichterungen nicht finanziell am laufenden Programm beteiligen.

Tats?chlich sprechen Wachstumszahlen nahe der Nulllinie 零位線 und die immer noch h?chste Arbeitslosigkeit der?Eurozone?nicht dafür, dass die bisherigen Rezepte funktioniert haben. Das liegt aber auch an einer ungleichen Verteilung der Lasten: W?hrend etwa Rentner massive Kürzungen hinnehmen mussten, wurden Reformen geschützter Berufsgruppen, eine h?here Besteuerung von Reichen oder zugesagte Privatisierungen verschleppt. Die wohl einzig gute Nachricht für Griechenland: Bis zum Sommer besteht kein akuter Finanzbedarf.

Das liegt aber auch an einer ungleichen Verteilung der Lasten: W?hrend etwa Rentner massive Kürzungen hinnehmen mussten, wurden Reformen geschützter Berufsgruppen, eine h?here Besteuerung von Reichen oder zugesagte Privatisierungen verschleppt.

Verteilung : allocation/distribution

Kürzung : ?reduction

hinnehmen: accept

Besteuerung : taxation

verschleppen: get worse

Fazit:An Griechenlands grunds?tzlichen Problemen hat sich trotz harter Einschnitte kaum etwas ge?ndert. über einen Ausweg sind sich auch die Geldgeber nicht einig.

Italien: Reichlich Grund zur Sorge

Getty Images

Piazza Navona in Rom

Italien hat ein Bankenproblem. Das Krisenhaus Monte dei Paschi wird gerade mit Steuermilliarden gerettet, da tut sich bereits der n?chste Problemfall auf. Fast zw?lf Milliarden Euro Verlust hat Unicredit gerade fürs vergangene Jahr vermeldet, da kommt nicht einmal dieDeutsche Bankmit. Nun startete Italiens gr??tes Kreditinstitut eine Kapitalerh?hung, die bis Mitte M?rz rund 13 Milliarden Euro frisches Geld bringen soll. Misslingt das Projekt, wackelt der gesamte italienische Finanzsektor.

Italien

StaatsverschuldungArbeitslosenquoteWirtschaftswachstumRisikoaufschlag

in Prozent des Bruttoinlandsprodukts

Prozent2018*2017*2016*201520142013201220112010200920082007200620050255075100125

Quelle: EU-Kommission

*Ab 2016 Prognosen

Auch so schon sieht es nicht gut für die Wirtschaft aus. Trotz extrem niedriger Zinsen und günstiger ?lpreise ist sie vergangenes Jahr nur um 0,9 Prozent gewachsen. Noch gef?hrlicher: Das Land hat mit den gr??ten Staatsschuldenberg aller europ?ischen Nationen aufgeh?uft. Und jedes Jahr schreibt es neue Defizite. Die EU-Kommission fordert von Rom,im diesj?hrigen Haushalt weitere 3,4 Milliarden Euro einzusparen, sonst dr?ut wom?glich ein Strafverfahren.

Und dann ist da noch die unklare politische Situation: Gibt es vorgezogene Neuwahlen, triumphieren wom?glich gar die eurokritischen Populisten? Oder mogelt sich die jetzige Regierung bis zum Ende der Legislaturperiode in einem Jahr durch?

All das verunsichert die Geldgeber: Obwohl dieEurop?ische Zentralbankseit 2015 wieder und wieder italienische Staatsschulden in Milliardenh?he aufkauft, steigen die Kapitalmarktzinsen seit einiger Zeit an. Anfang Februar verlangten die Gl?ubiger langlaufender italienische rStaatsanleihen?zeitweise über zwei Prozent mehr Rendite pro Jahr als für vergleichbare deutsche Schulden. Das war der h?chste Risikoaufschlag seit drei Jahren.

Fazit:Italien istdasSorgenkind der Eurozone - auch, weil es aufgrund seiner Gr??e viel schwieriger zu retten w?re als Griechenland oder Portugal.

Spanien: Jubel w?re verfrüht

Getty Images

Blick über Barcelona (Archivbild)

Spaniens gr??ter Krisenherd lag zuletzt in der Politik: Fast ein Jahr lang war das Land ohne Regierungschef, zwei Mal musste gew?hlt werden, bis am Ende doch wieder der KonservativeMariano Rajoydie Führung übernahm.

Spanien

StaatsverschuldungArbeitslosenquoteWirtschaftswachstumRisikoaufschlag

in Prozent des Bruttoinlandsprodukts

Prozent2018*2017*2016*201520142013201220112010200920082007200620050255075100

Quelle: EU-Kommission

*Ab 2016 Prognosen

Dass die Spanier diese H?ngepartie vergleichsweise gelassen verfolgen konnten, lag auch an der Wirtschaft, die nach dem Platzen einer gewaltigen Immobilienblase inzwischen wieder deutlich w?chst. Ein wichtiger Faktor ist dabei, dass sich viele Touristen nach Anschl?gen in Nordafrika und der Türkei für Spanien entscheiden.

Auch die Arbeitslosigkeit sinkt, bleibt aber ein gro?es Problem. Noch immer ist fast jeder Fünfte auf Jobsuche. Rajoy hat mit Arbeitsmarktreformen zwar Neueinstellungen, aber auch Kündigungen erleichtert. Die Mehrzahl der neu geschaffenen Stellen ist befristet. Spaniens ohnehin schwieriger Arbeitsmarkt ist noch unsicherer geworden.

Gegen verfrühten Jubel spricht auch der Blick auf die Staatsverschuldung: Sie betr?gt seit Jahren rund 100 Prozent und damit deutlich mehr als eigentlich von der EU erlaubt. Auch die Drei-Prozent-Hürde für die Neuverschuldung wird Rajoy 2017 voraussichtlich wie in den Vorjahren rei?en. Einer Geldstrafe für die Verst??e entging seine Regierung nur, weil die EU-Kommission beide Augen zudrückte.

Fazit:In Spanien hat sich vieles verbessert, doch besonders der Arbeitsmarkt bleibt eine Schwachstelle.

Portugal: Genug gespart?

REUTERS

Terreiro do Paco in Lissabon (Archivbild)

Mit der Austerit?t ist es vorbei in Portugal. Die linke Minderheitsregierung unter Premierminister António Costa hat seit ihrem Antritt vor 15 Monaten zahlreiche Sparma?nahmen ihrer konservativen Vorg?nger einkassiert. Mit einer Anhebung des Mindestlohns, h?heren Pensionen, kürzeren Arbeitszeiten für Staatsdiener und einer niedrigeren Mehrwertsteuer für Restaurants will sie den Konsum st?rken und Arbeitspl?tze schaffen.

Portugal

StaatsverschuldungArbeitslosenquoteWirtschaftswachstumRisikoaufschlag

in Prozent des Bruttoinlandsprodukts

Prozent2018*2017*2016*2015201420132012201120102009200820072006200502550751001252015Staatsverschuldung:128,99%

Quelle: EU-Kommission

*Ab 2016 Prognosen

Das gelingt bislang nur bedingt: 2016 wuchs die Wirtschaftsleistung um 1,4 Prozent. Die Arbeitslosigkeit ist von 12,5 auf zuletzt 10,9 Prozent gesunken. Das ist nicht berauschend. Aber den Bürgern, von denen viele in den Krisenjahren verarmt sind, macht es Hoffnung. Costa genie?t hohe Sympathiewerte.

Seinen Angaben zufolge hat Portugal das Jahr 2016 mit einem Haushaltsdefizit von "weniger als 2,5 Prozent" der Wirtschaftsleistung abgeschlossen; das w?re der niedrigste Wert seit Jahren. Die Schuldenquote ist allerdings mit rund 130 Prozent die dritth?chste in der Eurozone hinter Griechenland und Italien. Und die Banken haben noch viele faule Kredite in ihren Büchern.

Die Gl?ubiger an den Finanzm?rkten misstrauen der von Kommunisten und dem linken Block unterstützten Regierung mehr und mehr. Anfang Februar stieg die Risikopr?mie für Staatsanleihen auf den h?chsten Wert seit 2013.

Fazit:Die Krise hat Portugal noch lange nicht überwunden. Ein Rückfall in Krisenzeiten ist jederzeit m?glich.

Irland:Zurück auf eigenen Fü?en

AFP

Enda Kenny im Februar 2017

Irland ist das Musterland der Eurorettung. Mit mehr als vier Prozent Wachstum war die Inselnation 2016 vorne dabei im Euroraum. Die Krise von 2008 und 2009 - als die irische Immobilienblase platzte, der Staat Banken retten musste und dadurch an den Rand des Ruins geriet - erscheint fast als Intermezzo in einem seit vielen Jahren anhaltenden Boom.

Das ohnehin beachtliche Wachstum wurde 2015 durch eine Umstellung in der Statistik und Sondereffekte über die 20-Prozent-Marke nach oben getrieben. Unter anderem fusionierte ein irisches Unternehmen mit einem US-Pharmakonzern: die neue Gesellschaft w?hlte ihren Sitz in Irland - und mit ihr wurden 43 Milliarden Dollar Firmenverm?gen in der Statistik erfasst.

Irland

StaatsverschuldungArbeitslosenquoteWirtschaftswachstumRisikoaufschlag

in Prozent des Bruttoinlandsprodukts

Prozent2018*2017*2016*201520142013201220112010200920082007200620050255075100125

Quelle: EU-Kommission

*Ab 2016 Prognosen

Die bürgerliche Regierung von PremierEnda Kennyhat auch rigoros gespart und reformiert. Sie hat Steuern erh?ht und Sozialleistungen eingeschr?nkt, das Renteneintrittsalter auf 68 Jahre erh?ht und den Kündigungsschutz gelockert, Geh?lter und Pensionen für Staatsdiener gekürzt. Zugleich hat sie auch viel Geld investiert: etwa in die Sanierung von Krankenh?usern und Schulen oder in den ?ffentlichen Verkehr. Und sie lockt ausl?ndische Konzerne mit niedrigen Abgaben und Steuerschlupfl?chern.

In der Statistik sieht das gut aus. Die Arbeitslosigkeit f?llt von Jahr zu Jahr, und auch die Staatsfinanzen gesunden. Die durch die Bankenrettung massiv angestiegene Schuldenquote ist seit 2013 von 120 Prozent der Wirtschaftsleistung auf zuletzt rund 75 Prozent gesunken. Viele Bürger klagen, dass sie davon wenig haben. Jeder zw?lfte lebt nach offiziellen Angaben in "konstanter Armut". Diesen Menschen stehen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung; zudem reicht ihr Geld nicht, um sich neue Kleider zu kaufen, die Wohnung immer ausreichend zu heizen oder zumindest jeden zweiten Tag eine Mahlzeit mit Fleisch oder Fisch zu essen.

Bei den Gl?ubigern aber sorgen die Reformen für Vertrauen. Seit Jahren kann sich Irland am Kapitalmarkt eigenst?ndig Geld leihen, und das zu niedrigen Zinsen. Zurzeit geben sich K?ufer zehnj?hriger Staatsanleihen mit etwas mehr als einem Prozent per annum zufrieden.

Fazit:Irland ist zurzeit kein Wackelkandidat.

Zypern: Begrenzt zur Nachahmung empfohlen

DPA

Verschiedene Euro-Münzen (vorne zyprische)

Drei Jahre - l?nger brauchte Zypern nicht, bis es im M?rz 2016 den EU-Rettungsschirm wieder verlassen konnte. Dabei hatte ein aufgebl?hter Bankensektor den Inselstaat in eine schwere Krise gestürzt. In ihrer Folge musste Zypern sogar als erstes Euroland Kapitalverkehrskontrollen einführen. Auch sie wurden l?ngst wieder aufgehoben.

Zypern

StaatsverschuldungArbeitslosenquoteWirtschaftswachstum

in Prozent des Bruttoinlandsprodukts

Prozent2018*2017*2016*2015201420132012201120102009200820072006200502550751002014Staatsverschuldung:107,12%

Quelle: EU-Kommission

*Ab 2016 Prognosen

Das zeigt, dass sich die Krise nicht so qu?lend hinziehen muss wie im benachbarten Griechenland. Zyperns Bankensektor wurde hart reformiert, die zweitgr??te Bank des Landes dichtgemacht. Das gelang auch dank eines politischen Systems, das st?rker auf Kompromisse ausgelegt ist als in Athen. Inzwischen w?chst die Wirtschaft wieder, die Arbeitslosigkeit ist rückl?ufig.

Doch in Zypern zeigen sich auch die Schattenseiten von Radikalreformen: Zur Rettung der Bank of Cyprus wurden Kontoguthaben von mehr als 100.000 Euro zwangsweise in Anteile umgewandelt. Das traf auch Normalbürger, die ihr Erspartes in Ermangelung eines verl?sslichen Rentensystems auf die Bank getragen hatten.

W?hrend der Krise stieg die Zahl der Zyprer, denen Geld für grundlegende Dinge wie Miete oder Heizung fehlt, von 9 auf 15 Prozent - nach Griechenland der h?chste Wert. Auch die Verschuldung bleibe ein Problem, warnte die EU-Kommission gerade. Zypern habe weiterhin "überm??ige Ungleichgewichte in Form eines schwachen Finanzsektors und gro?er privater, ?ffentlicher und externer Schulden".

Fazit:Zypern hat die Krise dank radikaler Finanzreformen weitgehend überwunden, allerdings mit erheblichen sozialen Kosten.

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